Verschwinden

Einfach mal in den Sack hauen, die Flatter machen, verduften, sich verdünnisieren: Fürs Verschwinden haben wir viele Begriffe, schließlich gehört der Fluchtreflex seit Urzeiten zum menschlichen Programm. Erstaunlich ist, dass sich die Gründe zum Abhauen über die Jahrtausende gar nicht so sehr geändert haben. Gut, vor wilden Tieren fliehen heute die wenigsten, aber Kriege, Vertreibung, Naturkatastrophen und Armut sorgen weiterhin dafür, dass weltweit Millionen Menschen ständig weglaufen müssen und ihr altes Leben im Tausch gegen maximale Unsicherheit verlieren. Wenn Menschen verschwinden, hat das aber nicht nur dramatische Gründe, manchmal steckt auch einfach der Wille zu einem Neuanfang dahinter. Ein mutiges Abschütteln von Zwängen und Konventionen, der Beginn eines neuen Weges. Man sucht dann eben das Weite, um der Enge zu entfliehen. Dieses Heft nimmt das alles in den Blick.

 

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Inhalt

Die Flatter machen

Total geknickt

Cazzo! Mein Penis schrumpft und wird krummer. Ist Mikroplastik schuld? Ein erektiler Report

Hin und wegAufs Fahrrad setzen und bis nach Istanbul fahren? Komische Idee. Aber ein guter Text

Vom Verdunsten – In Japan ist der gesellschaftliche Druck so groß, dass manche lieber irgendwo ein neues Leben beginnen

Ein Moment für sich alleinDie Damentoilette ist ein Ort, an dem nicht nur gepinkelt wird. Eine Fotoreportage

Stein oder nicht Stein – Wenn es ums Verschwinden geht, kennen Kraken immer noch die besten Tricks

Was von ihnen übrig blieb – In Syrien werden noch immer Hunderttausende vermisst

Haus der Geschichte – Nach dem Krieg wurden aus dem Sudetenland viele Deutschsprachige vertrieben. Zurück blieben ihre Häuser

Ein See, der es in sich hat Plastikmüll ist gekommen, um zu bleiben. In El Salvador versuchen Fischer dennoch

Total geknickt Ma che cazzo: Mein Penis wird immer kleiner und krummer

Aufgetaucht aus der Dunkelheit – Entführt und zur Prostitution gezwungen: In Indien teilen viele Frauen dieses Schicksal.

Da steig ich ausWar ja klar: Ganz oben in Norwegen findet man ein Nest voller Aussteiger. Wir sind mal hin

Zwischen heute und gestern In der Lausitz sind ganze Landschaften und Dörfer abgeräumt worden

Mach mal Schluss – Gut zu wissen: Es gibt eine Agentur, die für Sie Ihre Beziehung beendet

Kein gutes Ende Jeder muss mal sterben. Aber was passiert dann? Nur so viel: Es wird ein bisschen eklig

Mitarbeiter dieses Hefts

Alina Jungclaus

Artdirektorin

Klar, es ist immer auch die Brille der selektiven Wahrnehmung, wenn uns, wie jetzt, überall verschwundene und verlorene Geister begegnen. Und da passte es (logischerweise!) ins Bild, dass sich unsere Hamburger Art-Direktorin Alina (38) nach einem sehr sympathischen Telefongespräch erst mal in Luft auflöste. Während die hyperventilierende Redaktion schon kurz davor war, eine Vermisstenanzeige aufzugeben, layoutete Alina noch mal eben eine Ausgabe des Wirtschaftsmagazins „Capital“.

http://alinajungclaus.de

Carlos Barrera

Fotograf

Der 36-Jährige begann zunächst, in der Werbung zu arbeiten, bevor er die Dokumentarfotografie für sich entdeckte – und sie als Instrument einsetzte, um auf politische und soziale Themen in seinem Heimatland El Salvador aufmerksam zu machen. Für sein Langzeitprojekt „Life and Death in a Country Without Constitutional Rights“ gewann Carlos sogar den World-Press-Photo-Wettbewerb 2025.

https://www.carlosbarreraphoto.com

Lea Ernst

Reporterin

Lea Ernst (33) suchte auf Google Maps den abgelegensten norwegischen Ort zu suchen, den sie finden konnte. Unter Nordlichtern kam sie kurze Zeit später in Nyksund an, einem winzigen Fischerdorf am Polarkreis, in dem Aussteigerinnen, Suchende und Gestrandete einen alternativen Traum miteinander leben.

https://leaernst.org