Zoff

Ob Gendern, Klimawandel, Rechtsruck, Gaza, Ukraine, Corona – in allen Diskursen herrscht eine atemberaubende Ausschließlichkeit und wenig Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. Andere Meinungen werden von uns allzu oft als Zumutung wahrgenommen, anstatt sich mit ihnen auseinanderzusetzen und die eigenen Vorurteile oder Klischees zu hinterfragen. Angeheizt wird diese Fehlentwicklung durch rechte Hetzportale, die jeden Tag Jagd auf Andersdenkende machen und absurderweise gleichzeitig behaupten, sie wären diejenigen, die gecancelt würden. Streit lässt sich im Alltag kaum vermeiden, er gehört einfach zur Kommunikation dazu. Bereits vor einer halben Million Jahre haben sich Menschen den urzeitlichen Schädel eingeschlagen. Die Frage ist deshalb nicht, ob, sondern wie man sich streitet. Etwa so, dass danach tagelang Schweigen herrscht, weil alle beleidigt sind, oder doch lieber so, dass man nach einer klaren Aussprache mehr Verständnis für sein Gegenüber hat – und der andere mehr für einen selbst.  

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Inhalt

Sofort auseinander!

Mal zusammen raufen

Unsere Autorin hat sich noch nie geprügelt – und beim Playfight gemerkt, wie gut es tun kann, einen anderen Körper zu bearbeiten. Und selbst bearbeitet zu werden

Alle wollen jetzt Beef, aber so lala: Zur Zeit wird ja irre viel gestritten, leider aber völlig falsch. Eine Anleitung zum Bessermache

Mal zusammen raufen: Wir haben unsere friedlichste Mitarbeiterin in den Kampf geschickt

Der Hausdrachen: Nervige Nachbarn kennt jeder. Aber diese Oma ist noch mal eine ganz andere Nummer

Ich bin dein Sohn, du Arschloch: Gibt es noch ein Miteinander, wenn der Vater jahrelang die Familie terrorisierte? In diesem Fall ja. Bilder einer Versöhnung

In sicheren Gefilden: Diese Frau sorgt dafür, dass Frauen überall auf der Welt abtreiben können – und sich Autokraten ärgern

Nicht von schlechten Eltern: Sinti und Roma werden seit ewigen Zeiten diskriminiert. Zeit, sich endlich zu wehren

Der Rest der Geschichte: Im Niemandsland von Zypern verrotten die Überbleibsel einer friedlichen Zeit. Besuch in der Pufferzone

Heilg´s Kulturkämpfle: Hilfe, jetzt ist auch noch in meiner badischen Heimat der Morbus Trump ausgebrochen

Watch out! Die Fälscher wertvoller Uhren ticken doch nicht richtig. Eine Detektivgeschichte

Ein ganz normaler Mittwoch: Obwohl sie jede Woche von der Polizei auf´s Maul bekommen, wollen die argentinischen Rentner nicht verstummen

Diese entsetzliche Stille: Seit sich mein Vater das Leben nahm, regt mich der Umgang mit dem Thema Suizid unglaublich auf. Eine Streitschrift

Falscher Film: Weil sie eine Louis-de-Funes-Klamotte rassistisch fand, entführte diese Frau ein Flugzeug – und landete im Jenseits

Vermöbeln: Was macht man, wenn sich die Kinder pausenlos in die Haare bekommen? Diese Mutter griff zur Kamera

Dummkopf! Maisgrütze! Affengesicht! Ungelogen: in keinem Buch wird so herrlich gestritten wie in Pinocchio. Ein Auszug

Mitarbeiter dieses Hefts

Christian Hundertmark

Surfer, Sprayer, Artdirector

Im Hochparterre einer alten Nähmaschinenfabrik hat es sich Christian zwischen den Insignien einer hiphop- und damit stylelastigen Adoleszenz gemütlich gemacht: etliche Kunst- und Design-Highlights, Regale voller Underground-Zeitschriften, selbst designte Skateboarddecks, Plattencover diverser Punkbands und in einer Ecke ein Dutzend Surfbretter. Also surfte Christian, der sonst Bücher, Kunstwerke und andere Magazine gestaltet, durch unser Heft – und das münchnerisch lässig: nix verkrampft Hipsteriges, null Old School, dafür eine gute Mischung aus harmonischen Text-Bild-Beziehungen und polyarmoren Layouts, die auch mal Krawall suchen.

https://c100studio.com

Karen Naundorf

Punkmusikern, Autorin

Seit Jahren kämpfen alte Menschen in der argentinischen Hauptstadt ums Überleben und demonstrieren mit Hartnäckigkeit und Kreativität. Die Regierung aber kennt nur eine Sprache: Brutalität und Härte. Trotz Tränengas und Schlagstöcken hat sich die Südamerika-Korrespondentin Karen Naundorf unter die grauhaarigen Protestierenden gemischt und für diese Ausgabe eine Reportage geschrieben, die Präsident Mileis Kettensägen-Politik in ein ziemlich schlechtes Licht rückt.

https://nastyneighbours.bandcamp.com

Alex Diel

Horrorfilmen, Illustrator

Fast drei Jahre ist es her, da flatterte eine Mail in unser Postfach, in der sich Alex als Illustrator aus Würzburg bei uns vorstellte. Sein Stil, irgendetwas zwischen Comic, Zeichnung und Tattoo, gefiel uns auf Anhieb. Doch es brauchte noch einige Spaziergänge entlang fränkischer Felder und etliche Science-Fiction- und Horror-Filme (beides Dinge, die Alex zur Inspiration nutzt), bis genug wohliger Schrecken in die Illustration für diese Ausgabe einfließen konnte.

http://alexdiel.de